Über die Zeit, in der die alte Identität nicht mehr passt und die neue noch nicht da ist.
Ich habe auf mich geachtet. Ich habe meditiert, ich habe mir schöne Pausen genommen, ich habe die Dinge getan, die man tut, wenn man merkt, dass es zu viel wird. Und es war trotzdem zu viel. Nicht ein einzelner Tag. Mein ganzer Alltag.
Er hat sich nicht mehr nach mir angefühlt. Das Haus mit Garten, das ich mir gewünscht hatte, war auf einmal vor allem Arbeit. Im Job meine Führungskraft, deren Art komplett gegen meine Werte ging, so dass jeder Tag zu einem inneren Kampf wurde, dem standzuhalten und meine Arbeit trotzdem mit Freude zu machen.
Die Arbeit selbst mochte ich. Die Umstände haben sie mir schwer gemacht. So wurde alles herausfordernd. Und ich funktionierte weiter. Ich habe versucht, alles weiter zu meistern. Den Haushalt, den Job, für jeden an alles denken. Und nebenbei ein Nervensystem beruhigen, das im Dauerkampf lief.

Irgendwann passte nichts mehr. Es war zu viel, ich konnte es nicht mehr tragen, und eine Lösung hatte ich nicht. Ich habe gespürt: so geht es nicht weiter. Mit meinem alten Leben war ich nicht mehr stimmig.
Ein neues gab es nicht, ich konnte nicht einmal sagen, wie es sein sollte. Am Ende habe ich nichts mehr gefühlt. Wenn du das hier liest, kennst du diesen Zustand vielleicht. Die alte Identität von dir passt nicht mehr. Die neue ist noch nicht da. Und dazwischen stehst du, mitten in einem Leben, das von außen funktioniert und sich von innen falsch anfühlt.
Über dieses Dazwischen will ich schreiben. Wie es sich im Alltag zeigt, was es innen aufwirbelt, und warum irgendwann sogar der Kleiderschrank nicht mehr stimmt.
Wie das Dazwischen anfängt
Es kommt selten mit Ansage, kein großer Bruch. Eher so: Du sitzt in einem Gespräch, das du in ähnlicher Form hundertmal geführt hast, und mittendrin denkst du, das bin ich nicht mehr.
Du sagst zu etwas ja, und während du nickst, zieht sich in dir alles zusammen. Du läufst an einem Schaufenster vorbei und für eine Sekunde erkennst du dich nicht.
Es zeigt sich bei jeder Frau anders.
Bei der einen über den Job, der sich komplett unstimmig anfühlt, obwohl du ihn geliebt hast. Bei der anderen über die Ehe, in der zwei höfliche Menschen am Frühstückstisch sitzen und keine tiefen Gespräche mehr zustande kommen. Über die Kinder, die größer werden, und die Frage, wer du bist, wenn du nicht mehr rund um die Uhr gebraucht wirst. Über ein Haus, das mehr von dir fordert als es dir gibt.
Das Muster ist immer ähnlich. Die Rolle, die dich jahrelang getragen hat, trägt dich nicht mehr. Sie ist dir zu eng geworden.
Was passiert, wenn die alte Identität nicht mehr passt
Lange dachte ich, ich müsste nur besser auf mich achten. Also habe ich genau das getan. Ich habe Pausen gemacht, meditiert und auf meine Bedürfnisse gehört. Und es hat trotzdem nicht gereicht. Heute weiß ich, warum.
Ich habe an zu vielen Stelle meines Lebens gegen mich gearbeitet, ohne es zu merken. Gegen das, was mir im Kern wichtig ist, jeden Tag ein Stück. Du kannst dir noch so schöne Pausen gönnen.
Wenn du den Rest der Zeit gegen deine wichtigsten Werte lebst, verlierst du dich trotzdem. Langsam, ohne dass du es kommen siehst.

Und dann kommt der Zusammenbruch. Der Körper macht nicht mehr mit, emotional und mental bist du leer. Du hast nicht versagt. Das ist die Rechnung für ein Leben, indem du zu lange nur funktioniert hast.
Die alte Identität, die Frau, die alles zusammengehalten hat, immer da war, immer einen Plan hatte, hat durchgehalten, solange es ging. An dem Punkt, an dem nichts mehr ging, hat sie angefangen, sich innerlich aufzulösen.
Das Problem ist der Zeitabstand. Die alte Version geht, bevor die Neue da ist. Und dazwischen liegt ein Raum, in dem du scheinbar im Unklaren schwebst.
Ein Raum der dich überfordert, der sich unsicher anfühlt ohne Antwort auf die Frage, wer du jetzt bist. Dieser Raum fühlt sich schwer an. Doch er ist wichtig, denn hier hast du die Möglichkeit durch genaues Hinfühlen nun diesen leeren Raum mit genau dem zu füllen, wer DU wirklich bist.
Wie sich das Dazwischen im Alltag anfühlt
Es zeigt sich nicht unbedingt deutlich. Es zeigt sich in kleinen Situationen, in denen du es nicht unbedingt erwartest. Du wachst um fünf auf, von einem Gedanken, der drängend ist, obwohl du noch gar nicht wirklich wach bist: so kann es nicht weitergehen, und du hast keine Ahnung, wie dann.
Du sagst zu Dingen ja und meinst nein. Hinterher merkst du es, im Auto, wenn die Verabredung schon steht. Alte Freundinnen reden mit dir wie früher, einer Frau, die es so nicht mehr gibt. Sie kennen dich als die Unternehmungslustige, die nie abgesagt hat und für alle da ist. Und du sitzt da und spielst sie noch ein bisschen, weil das leichter ist, als zu erklären, dass du gerade selbst nicht weißt, wer du eigentlich bist.
Und die bleierne Müdigkeit, die nicht von Schlafmangel kommt, sondern davon, dass ein Teil von dir die ganze Zeit eine Rolle spielt, die in dir längst nicht mehr existiert.
Wenn die Lebensfreude verschwindet
Die Müdigkeit war das eine. Schwerer wog, dass die Freude fehlte. Bei mir ist sie leise gegangen, wie ein Licht, das jemand langsam dimmt. Alles, was ich tat, hatte einen Plan und ein Ziel.
Etwas tun, nur weil es schön ist, ohne Zweck, das gab es nicht mehr. Aufgefallen ist es mir lange nicht, weil ich ja Pausen gemacht habe und in die Natur gegangen bin. Das sah von außen nach Leben aus.
Auch Menschen wurden anstrengend. Zu viele auf einmal, vor allem fremde.
Ich war immer gern Gastgeberin, mit Leidenschaft, der Tisch schön gedeckt, an alles gedacht. Irgendwann habe ich aufgehört einzuladen.
Die Kraft war weg, und der Teil von mir, der es geliebt hat zu kochen und zu dekorieren, war verschwunden. Ohne ihn blieb nur die Anstrengung.
Das ist das Hinterhältige an dieser Phase. Die Pflichten bleiben. Was geht, ist das, was dich ausgemacht hat, und die Freude geht zuerst.
Warum die Kleidung nicht mehr passt, wenn die alte Identität geht

Auch bei der morgendlichen Auswahl vorm Kleiderschrank ist es anstrengend.
Deine Kleidung ist nicht neutral. Jedes Teil darin wurde von dir, zu einer bestimmten Zeit, in einer bestimmten Verfassung gekauft.
Die ungetragenen Teile zeigen die Momente, in denen du etwas mitgenommen hast, das in Ordnung oder günstig war, statt etwas, das wirklich du warst.
Eine Frau, die sich selbst spürt, kauft anders. Sie greift nicht im Vorbeigehen zu, nur weil es zwanzig Prozent reduziert ist.
Dein Schrank ist ein Archiv. Er hält fest, wer du in den letzten Jahren warst. Wenn die Frau, die das alles ausgesucht hat, sich gerade verabschiedet, dann fühlt sich ihre Garderobe an wie geliehen.
Du greifst morgens rein und findest nichts. Nicht weil nichts schön ist, sondern weil die Frau, die diese Kleidungsstücke gekauft hat, nicht mehr existiert.
Das ist der Grund, warum so viele Frauen in dieser Phase entweder immer dasselbe weite Teil anziehen, in dem man sich verstecken kann, oder anfangen, wild Neues zu kaufen, das dann auch nicht passt.
Beides ist der Versuch, ein Außen zu finden, das zu einem Innen passt, das du gerade selbst noch suchst.
Deine Kleidung spiegelt dich wieder. Doch wenn du gerade zwischen den Identitäten schwimmst und die alte Identität nicht mehr passt, die Neue aber noch nicht greifbar ist, dann fällt es auch schwer seine Identität im Außen sichtbar zu machen.
Was das Dazwischen innen aufwirbelt
Unter der Kleiderfrage und der inneren Leere liegt mehr.
Da ist Trauer, und das überrascht viele. Du verlierst ja niemanden, der gestorben ist. Du verlierst eine Version von dir, die lange gut funktioniert hat. Das darf betrauert werden. Sie hat dich durch einiges getragen.
Dann die Angst. Wenn ich die nicht mehr bin, wer bin ich dann. Und was, wenn dahinter nichts kommt. Was, wenn ich mich verliere und am Ende leer bin.
Schuld kommt auch dazu. Gegenüber den Menschen, die sich an die alte Version gewöhnt haben und sich auf sie verlassen. Die ein bestimmtes Bild von dir im Kopf tragen, das du gerade selbst nicht mehr halten kannst.
Und dieser Sog zurück. An schlechten Tagen willst du am liebsten zurück in die alte Rolle, weil sie bekannt war, weil sie Halt gab, auch wenn sie zu eng ist.
Dazu die Ungeduld. Du willst, dass die neue Identität endlich kommt. Heute am besten, mit Namen und Plan und einem Schrank, der wieder Freude bereitet. So läuft es nicht. Leider.
Warum du das Dazwischen nicht überspringen kannst
Die größte Versuchung in dieser Phase ist, sich schnell eine neue Identität überzustreifen. Irgendeine.
Die Spirituelle, die Unternehmerin, die Freiheitsliebende, die jetzt alles anders macht. Hauptsache raus aus dem unklaren Zustand. Ich habe das selbst probiert. Es hält nicht. Eine Identität, die du dir aus Überforderung oder Angst vor der Leere überstülpst, weil du das Dazwischen nicht aushältst, ist nur das nächste Kostüm. Ein bisschen schicker vielleicht und vielleicht geht es auch schon in die richtige Richtung, doch du wirst es nicht halten können.
Das Dazwischen ist kein Flur, durch den du rennst, um schnell ins nächste Zimmer zu kommen. Es ist selbst ein Raum. Ein leerer, ja. Leer im Sinne von: hier ist Platz für etwas, das vorher keinen hatte.
Die Frau, die danach kommt, baut sich nicht aus einem Plan auf, welchen du dir ausmalst. Sie meldet sich in kleinen Situationen. In dem, worauf du anspringst, ohne nachzudenken. Oder in dem, was dir auf einmal zu viel wird, obwohl du es jahrelang gemacht hast.
Bei einer Farbe, zu der du im Laden greifst, die die alte Identität nie getragen hätte.
Sie meldet sich auch als ein klares Nein. Jahrelang habe ich die Verantwortung von allen mitgetragen, von allen Seiten, ohne dass es mir aufgefallen ist. Irgendwann wurde mir klar: das ist nicht meine Last und Aufgabe.
Ich bin nicht mehr bereit, sie zu tragen.
Du findest deine neue Identität nicht, indem du suchst. Du findest sie, indem du stehen bleibst und hinhörst und dich wahrhaftig spürst.
Was im Dazwischen hilft
Ich gebe dir keine Schritt-für-Schritt-Anleitung, weil es die für diesen Zwischenraum nicht gibt. Aber ein paar Dinge haben bei mir und bei den Frauen, mit denen ich arbeite, geholfen.
Hör auf, etwas zu erzwingen. Wenn nichts passt, dann passt gerade nichts, und das ist eine Zwischensituation, kein Versagen. Trag in dieser Zeit das, in dem du dich nicht verkleidet fühlst, und seien es zwei Teile.
Lass etwas gehen von deinen Kleidungsstücken.
Nicht alles auf einmal. Nimm die drei, vier Stücke raus, bei denen du genau weißt, das war die alte Version, und gib sie weg. Eine kleine Geste, die im Innen mehr bewirkt, als man denkt.
Benenne, was jetzt im Moment stimmig ist. Nicht, wer du sein willst. Sondern was sich heute richtig anfühlt, an diesem ganz normalen Tag.
Eine Tätigkeit, ein Kleidungsstück oder ein Satz, den du sagen würdest, der sich in dem Moment für dich richtig anfühlt, ohne in die alte Rolle zu rutschen und ohne zu wissen, ob du morgen wieder so entscheiden würdest.
Und gib dem Innen, Raum und Zeit. Das Suchen im Kopf, beim Autofahren oder um fünf Uhr morgens, dreht sich im Kreis. Es braucht die tiefe Verbindung zu dir selbst. So tief wie es für dich gerade sein kann.
Fühle hin, anstatt sofort zu antworten. Was ist das was du in diesem Moment wirklich willst und kannst?
Wenn du anfangen willst, dich neu kennenzulernen
Genau dafür habe ich zwei kleine Programme gebaut. Sie geben dir eine Unterstützung zu deinem Ziel, doch sie lösen nicht die Arbeit, die in dir stattfinden darf.
Das eine geht nach innen.
Der Identitätsfinder nimmt dich an die Hand und führt dich Schritt für Schritt zu der Frau, die sich gerade in dir entfalten möchte.
Am Ende hältst du ein kleines „Selbstporträt“ in der Hand und einen ersten Weg, der zu dir gehört, nicht zu der Identität, die du gerade ablegst.
–> Den Identitätsfinder öffnen

Das andere geht nach außen, an deinen Schrank.
Im Capsule-Atelier baust du dir eine stimmige Garderobe, die zu der Frau passt, die gerade in dir heranreift. Mit deinen Farben, deinen Formen, ohne den Ballast des Alten. Damit die Kleiderwahl morgens wieder leicht ist und Freude macht.

Wenn dir das Capsule-Atelier zu viel auf einmal ist, fang mit den Farben an. Der Farbtest dauert zwei Minuten und zeigt dir, welche Farben zu dir passen.

Das Gefühl für dich und dein Inneres, kostet Zeit, Ausruhen, ganze Tage, an denen du vielleicht nichts tust.
Für dich da sein, ohne Programm. Spüren, ob da etwas ist, worauf du Lust hast, ohne dass du es musst, nur aus Freude.
Schaffe Raum für dich: Mal wieder ein Buch lesen, nicht um etwas zu lernen, nur um abzutauchen. Den Stift oder Pinsel in die Hand nehmen und malen oder schreiben, ohne Plan, ohne dass es gut werden muss.
Wenn die Lust auf ein Gericht da ist, koche es mit Freude ohne dass daraus gleich wieder das tägliche Kochen wird. Dinge auch mal liegen lassen, auch wenn zu Hause dann nicht alles perfekt aussieht.
Oder sie abgeben, an die Familie oder Haushaltshilfen.
So kannst du zurückkommen zu DIR.
La Maison Vivante
Inner Room Für Frauen, die aufgehört haben zu warten und angefangen haben, zu fühlen.







